Die aktuelle Diskussion: Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien?

Im Jahre 1963 sagte Ludwig Erhard, der Vater der sozialen Marktwirtschaft: „Bemühen wir uns darum auch, jedwede Forderung an den Staat nicht vorschnell mit dem Wort ’sozial‘ oder ‚gerecht‘ zu versehen, wenn es in Wahrheit nur zu oft um partikuläre Wünsche geht.“

Ähnlich ist es mit dem Bestellerprinzip, dessen Einführung im Maklerwesen bei Kaufobjekten derzeit in Berlin diskutiert wird. Diese Diskussion folgt dem Ruf nach sozialer Gerechtigkeit. Dass man den Zugang zum selbstgenutzten Wohneigentum erleichtern will, ist dabei richtig und wünschenswert. Ist es aber dafür erforderlich, derart stark in die Markt-, die Berufs- und Vertragsfreiheit einzugreifen? Ist das deutsche Maklerwesen nicht sozial? Oder hat der Makler nicht seit langer Zeit seine Berechtigung als umfassender Dienstleister für die Kaufinteressenten?

Er ist Dienstleister und Intermediär zwischen den Kaufvertragsparteien. Neben der rein fachlichen Komponente ist ein hohes Maß an Sozialkompetenz erforderlich, da Immobilienverkäufe oftmals nicht ganz freiwillig erfolgen: Häufig sind schließlich Tod, Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit die Anlässe für einen Verkauf. Der gute Makler besitzt sowohl die dafür erforderliche Menschenkenntnis als auch die entsprechende Fachkunde.

Wer sich für Bestellerprinzip einsetzt, das dazu führt, dass nur noch der Verkäufer eine Provision zahlen darf, opfert nicht nur die Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft, sondern auch die Interessen des Kaufinteressenten.